Die Freiwillige Feuerwehr in Merklinde

Anstoß zur Gründung war der Brand der Bäckerei Brauckhoff auf der Wittener Straße 342 in Merklinde. Das Anwesen der Bäckerei Brauckhoff war ein Fachwerkhaus mit einem Anbau zur jetzigen Gerther Straße hin. Dieser Anbau war als Schmiede eingerichtet. An einem Spätsommerabend des Jahres 1894 brach in dem Hauptgebäude ein Feuer aus, das sich schnelle ausdehnte. Herbeieilende Mitbürger standen dem Feuer fassungslos gegenüber. Durch unüberlegtes Handeln einiger Helfer, die nach ihrer Auffassung es gut meinten, wurde zu dem Feuerschaden noch erheblicher anderer Schaden hinzugefügt. Überlieferungen besagen, dass das Anwesen vollständig eingeäschert wurde. Die Schmiede blieb von dem Feuer verschont. Der neu erbaute Backofen hingegen wurde schwer beschädigt, konnte aber nach einer umfassenden Reparatur wieder in Betrieb genommen werden. Das Hauptgebäude wurde später neu errichtet. Das Fehlen fachmännischer Kräfte machte sich bei dem Brand deutlich bemerkbar. Die bestehende Pflichtfeuerwehr war nicht genügend ausgebildet und auch nicht straff genug organisiert. Daher war es verständlich, dass der Plan, eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen, immer mehr reifte. Es scheint sich hier auch zu bewahrheiten, dass schon einige Jahre vor diesem Brand von einem provisorischen Vorstand Gesuche an die Gemeindevertretungen gerichtet worden sind, ihnen den unentgeltlichen Gebrauch der vorhandenen Löschgeräte zu gestatten. Aber erst nach langwierigen Verhandlungen mit den Gemeinden Bövinghausen und Merklinde und dem Amt Rauxel, gelang es dann, eine Freiwillige Feuerwehr aufzustellen. Das Protokollbuch dokumentiert als Gründungstag den 29. Oktober 1904. Die Gründungsversammlung fand in der Gastwirtschaft Hovemann statt. In dem nächsten Protokoll vom 27. November 1904 heißt es: In der Vorstandsitzung vom 22. November 1904 ist beschlossen worden, dass die Männer, die sich am 27. November aufnehmen lassen, noch als Gründungsmitglieder gelten sollen. Das Protokoll nennt dann 54 Namen. Der endgültige Vorstand war schon am 29. Oktober 1904 gewählt worden und ihm gehörten an:

I. Chef Wilhelm Kleffmann

II. Chef August Meise

I. Spritzenführer Heinrich Seegers

II. Spritzenführer Wilhelm Lessmöllmann

I. Steigerführer Josef Stehmann

II. Steigerführer Friedrich Paschen

Hydrantenführer Ludwig Söding

I. Schriftführer Carl Husemeyer

II. Schriftführer Franz Isenberg

Kassierer Carl Bremiker.

Versammlungslokal wurde die Gastwirtschaft Kleffmann. Jedoch sollten auch Versammlungen bei den übrigen Wirten der beiden Gemeinden Merklinde und Bövinghausen abgehalten werden. Die Aufnahmegebühr betrug zwei Mark. Es wurde weiterhin beschlossen, dem Kreisfeuerwehrverband Dortmund und dem Westfälischen Provinzial-Feuerwehrverband als Mitglied beizutreten.

In den nächsten Protokollen ist überwiegend von Beiträgen, Gesuchen um Beihilfen von den Gemeinden und Versicherungen, Spenden der Bürger, Anschaffung von Geräten, Ausrüstungsgegenständen und Einsatzbekleidung die Rede.

In der Versammlung am 1. November 1905 wurde die Aufstellung eines Spielmannszuges angeregt. Die Vorarbeiten dazu wurden dem Kameraden Karl Mohr übertragen.

Der straffen Organisation und der Einsatzbereitschaft der Wehrmänner war es zu verdanken, dass die Wehr allgemein anerkannt wurde. So beauftragte der Verbandstag der Feuerwehren des Landkreises Dortmund die Wehr mit der Abhaltung der turnusmäßigen Herbstübung am 30. September 1906. Für die Gemeinde Frohlinde übernahm die Merklinder Wehr in der Folgezeit dann auch den Feuerschutz. Als Entschädigung zahlte Frohlinde jährlich 75 Mark. Im Jahre 1909 erbaute die Gemeinde Merklinde auf dem Grundstück Wittener Straße 372 ein Wohnhaus. Dahinter ein Gerätehaus mit Schlauchtrockenturm. Da das Spritzenhaus in Bövinghausen dem Verfall preisgegeben war, fanden alle Geräte in dem neuen Gerätehaus Aufnahme.

Beide Gemeinden zahlten der Wehr außerdem einen Zuschuss für die Anschaffung von Geräten. Die Gemeinde Merklinde 400 Mark und die Gemeinde Bövinghausen 500 Mark, dazu kamen 270 Mark Eigenmittel der Wehr. Nun konnte ein Sturmgerätewagen angeschafft und ein neuer Steigerturm gebaut werden. Auf dem alten Platz an der Lindenstraße, gegenüber der Wirtschaft Stehmann – jetzt Kinderspielplatz -, wurde dieser errichtet.

In der Generalversammlung im Januar 1911 wurde als Versammlungslokal die Gastwirtschaft Lessmöllmann gewählt.

Bei Ausbruch des 1. Weltkriegs wurden sofort 19 Mitglieder einberufen. Während des Krieges stellten sich viele jüngere Männer und noch rüstige passive Mitglieder für den Feuerschutzdienst zur Verfügung. Nach dem Protokollbuch konnte die Wehr unter Leitung der stellvertretenden Brandmeister Wilhelm Lessmöllman und Heinrich Baack den Dienstbetrieb aufrechterhalten. Für die an der Kriegsfront stehenden Kameraden wurden oftmals Liebesgabenpakete abgesandt und stellten so die Verbindung mit der Heimat her. Sie gaben neuen Mut und stärkten die Hoffnung auf gesunde Heimkehr. Leider kehrten acht Kameraden nicht wieder zurück. Die Familien der eingezogenen Kameraden wurden nach besten Kräften unterstützt und den Hinterbliebenen der Gefallenen nahm man sich besonders tatkräftig an. Am 10. März 1919 fand die erste Nachkriegsversammlung statt. Es hatten sich 12 Männer für den aktiven Dienst gemeldet.

Die aufkommende Inflation bis 15. November 1923 und die Besetzung des Ruhrgebietes am 11. Januar 1923 – Castrop war vom 24. Januar 1923 bis 15. November 1924 besetzt -, hemmte die weitere Entwicklung der Wehr in ungewöhnlicher Weise. So wurden 500 Meter Schlauch, die Brandmeister Heinrich Hovemann mit dem Fuhrwerk im September 1924 von der Firma Meyer/Hagen holen wollte, von den Franzosen beschlagnahmt. Erst nach langwierigen Verhandlungen mit den zuständigen Behörden, konnten die so dringend benötigten Schläuche wieder in den Besitz der Wehr gelangen. Aber allen Erschwernissen zum trotz ging der Dienst weiter. Der beste Beweis dafür war das 25jährige Jubiläum, dass am 22. und 23. Juni 1929 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung von Merklinde und Bövinghausen gefeiert werden konnte.

Da die Gemeinden Merklinde und Bövinghausen am 1. April 1926 in das neue Stadtgebilde Castrop-Rauxel übergegangen waren, hatten sich die Freiwilligen Feuerwehren unter der Führung des damaligen Branddirektors Wilhelm Sinder zu einem Stadtverband zusammen geschlossen. So wurde mit der Jubiläumsfeier der Merklinder Feuerwehr auch das erste Stadtverbandsfest verbunden. Bei der großangelegten Übung, die unter dem Kommando von Brandmeister Alfred Lessmöllmann, Steigerführer Wilhelm Hüls, Hydrantenführer Ludwig Söding und Spritzenführer Ernst Walther stattfand und dem nachfolgenden Löschangriff auf das Gehöft Schulte-Strathaus (Tewes), wirkte auch die im März 1929 aufgestellte Jugendfeuerwehr mit. Für alle Anwesenden, namentlich die Übungsbeobachter, unter ihnen Oberbürgermeister Dr. Mende, Stadtkreisbranddirektor Sinder, Herren der Stadtverwaltung und des Rates, Vertreter der Presse, Brandmeister der Nachbar- und Werkfeuerwehren, war es eine Überraschung zu sehen, mit welchem Eifer die Jugendfeuerwehr ihre Aufgaben erledigte. Die für die Ausbildung verantwortlichen Kameraden Wilhelm Rottman und Dietrich Wieschemann ernteten viel Lob. Das kam immer wieder in den anschließenden Reden zum Ausdruck. Nicht unerwähnt soll hierbei die vorbildliche Arbeit des Brandmeisters und Geschäftsführers der Merklinder Wehr, Wilhelm Rombeck, bleiben.

Schon am 6. Februar 1927 trug man sich mit dem Gedanken eine Zweirad-Motorspritze zu kaufen. Da der Preis aber zwischen 3.200 bis 6.800 Reichsmark lag, unterblieb der Ankauf. Angeregt durch die erfolgreichen Jubiläumsfeierlichkeiten begann man verstärkt mit der Weiterentwicklung der Wehr. So wurde der Entschluss, eine Motorspritze anzuschaffen, mit Nachdruck verfolgt. Die Firma Klonder baute einen gebrauchten Lastwagen für diese Zwecke um. Einen Einblick in den damaligen Dienstbetrieb der Wehr soll dabei der Jahresbericht für das Jahr 1930 vermitteln:

Im Januar fand nach den vorangegangenen Übungen ein gemütlicher Abend für die Aktiven mit ihren Frauen im Lokal Hovemann statt, der ein echter Familienabend war.

Im Februar stieg die fällige Generalversammlung. Der wichtigste Punkt war neben der Vorstandswahl, der Ankauf der Motorspritze, der inzwischen mit der Firma Klonder getätigt worden war. Sämtliche Kameraden begrüßten die Worte ihres Kameraden Thiel und waren sichtlich erfreut, dass nunmehr ein langgehegter Wunsch Wirklichkeit geworden war.

Im März fand die erste Übung des Jahres in Gestalt einer Saalübung statt und zwar dahingehend, dass die Führer aller Abteilungen ihrer Mannschaft sämtliche Geräte in ihren Einzelheiten fach- und sachgemäß erklärten. Es wurde ferner der Beschluss gefasst, sich am Verbandstag in Münster zu beteiligen.

Im April wurden die Hydranten einer genauen Prüfung unterzogen. Es wurde dabei festgestellt, dass der Hydrant oberhalb der Gerther Straße, gegenüber der Brennerei Büchter, zu tief lag. Noch am gleichen Tag wurde das Wasserwerk zur Behebung des Fehlers verständigt. Nach einigen Tagen war der Schaden behoben. Der Vorstand wurde beauftragt, sich mit der Abhaltung der Feuerschutzwoche eingehend zu befassen. Vier junge Kameraden wurden als Aktive in die Wehr aufgenommen.

Am 27. April 1930 nahm die Wehr mit 38 Kameraden an der Eröffnung der Feuerschutzwoche auf dem Marktplatz in Castrop-Rauxel teil. Karsamstag erfolgte eine zweimalige Probefahrt der neuen Motorspritze. Bei der morgendlichen Probefahrt wurde festgestellt, dass der Wasserdruck im Dorf Merklinde (Hydrant Landwirt Josef Teves) sehr gering war. Am Nachmittag wurde den Hydranten bei Hovemann (Kreuzung Wittener Straße / Gerther Straße), Stehmann (Gerther Straße), Fels (In der Recke) und Lechtenberg (oberhalb der Wittener Straße) Wasser entnommen. Hier war der Wasserdruck ausreichend und die Motorspritze arbeitete tadellos.

Mit der Abhaltung der Feuerschutzwoche in Merklinde verbunden, war die Taufe der aus eigenen Mitteln und tatkräftiger Unterstützung der Bürger beschafften Motorspritze. Nach Eintreffen der Vertreter der Behörde und des Stadtverbandes, die in von der Wehr zur Verfügung gestellten Personenwagen vom Castroper Marktplatz abgeholt worden waren, begann eine Rundfahrt durch sämtliche Straßen des Stadtteils. Voran vier Personenwagen, gefolgt von der in rot lackierten neuen Motorspritze, einem Lastwagen mit den Merklinder Kameraden und der Motorspritze der Stadt Castrop-Rauxel. Am Steigerturm verstand es Kamerad Lessmöllmann, den Gästen den neuen Wagen in seinen Einzelheiten so fachmännisch zu erklären, dass sich Fragen der Anwesenden erübrigten. Zu einer anschließenden Übung wurde die Wehr durch Telefon alarmiert. In schneller Fahrt ging es zur Wirtschaft Hovemann, wo an dem sich dort befindlichen Hydranten angeschlossen wurde. Hier zeigte sich sowohl die Motorspritze, wie auch die Wehr ihren gestellten Aufgaben voll und ganz gewachsen und die Motorspritze machte ihrem Erbauer, der Firma Gebrüder Klonder, alle Ehre.

Nur machte sich das Fehlen verschiedener Geräte, vor allem der 75-mm-Schläuche stark bemerkbar. Gleichfalls wurde der Hydrant im Straßenbahngleis als Verkehrshindernis nur zu deutlich empfunden. Eine dringende Umlegung soll als Forderung geltend gemacht werden. Im Anschluss an die Übung fand im Lokal Lessmöllmann eine Kritik statt. Kamerad Brandmeister Thiel richtete herzliche Worte der Begrüßung an die Herren Vertreter der Stadt, der Polizei, der Presse, an die Kameraden der auswärtigen Wehren und an seine eigenen Kameraden. Er verstand es ausgezeichnet, den Gästen den Kauf der Motorspritze, welche die Wehr vor schwere Aufgaben gestellt hatte, anschaulich darzustellen. Thiel dankte an dieser Stelle vor allem der Firma Klonder, die es verstanden hatte, ein leistungsfähiges Einsatzfahrzeug aufzubauen, aber auch den Kameraden Lessmöllmann, Söding, Wildschütz und Stewen, die mit Rat und Tat die Firma unterstützten und nicht zuletzt den Kameraden der Wehr, die verzichteten, wenn es galt, dem Konto der Motorspritze etwas zuzuschlagen. Als erster beglückwünschte Kamerad Branddirektor Klein, der technische Beirat der Feuerlöschkommission, die Wehr zum Gelingen der großen Anschaffung. Er freue sich, dass nunmehr eine zweite Motorspritze für den Stadtbezirk zur Verfügung stände. Kamerad Sinder gratulierte ebenfalls und sagte unter anderem, dass es das erste Mal sei, dass eine Wehr in so kurzer Zeit aus eigenen Mitteln das vollbracht habe, was die Merklinder Wehr geleistet habe. Die Stadt müsse der Wehr zu außerordentlichem Dank verpflichtet sein und ihr die fehlenden Geräte bewilligen. Die Wasserabgabe in dreieinhalb Minuten sei als sehr gut zu bezeichnen, wie auch die Förderhöhe von 18 bis 20 Metern und die Weite von 35 Metern zufriedenstellend sei. Er schloss mit den Worten: „Möge ihre wackere Tat den anderen Wehren zum Ansporn dienen.“.

Auch Herr Bürgermeister Schulze dankte der Wehr im Namen der Stadt und versprach, das Fehlende aus städtischen Mitteln beschaffen zu wollen. Gegen 20 Uhr fand eine öffentliche Versammlung im Stehmann’schen Saal statt, der bis auf den letzten Platz gefüllt war. Hier wurden die Einwohner auf die vielfältigen Gefahren des Feuers durch einen Vortrag des Kameraden Branddirektor Klein aufmerksam gemacht. Der Hauptlehrer Mühlenstedt verstand es ausgezeichnet, die verschiedenen Brandursachen durch einen Lichtbildervortrag zu schildern. Branddirektor Sinder und Brandmeister Thiel dankten der Bevölkerung für ihr zahlreiches Erscheinen und ihre tatkräftige Mithilfe zur Anschaffung der Motorspritze im Stadtteil Merklinde.

Bei der ersten Übung im Juni wurden sämtliche Kameraden mit der Bedienung der Motorspritze vertraut gemacht.

Im Juli fand eine Übung bei den Chemischen Werken Lothringen GmbH in Bochum-Gerthe statt, die dem Einberufer, Herrn Ingenieur Rottmann, in allen Teilen gut gefiel.

Die August-Übung erstreckte sich auf Steigerübungen und einen Gesamtlöschangriff. Am 17. August 1930 beteiligte sich die Wehr mit 38 Kameraden an dem Preußischen und Westfälischen Feuerwehr-Verbandstag in Münster.

Im September wurde die gleiche Übung wie im Juli abgehalten. Am 27. September 1930 fand eine Großübung der Wehren Frohlinde, Castrop, Schwerin, Rauxel-Dorf und Merklinde im Stadtteil Frohlinde statt. Oberbrandmeister Routloff als berufener Kritiker lobte die schnelle Anfahrt und das vortreffliche Arbeiten von Mannschaft und Gerät der Abteilung Merklinde. Am 29. September 1930 fand der letzte Übungsdienst vor der Schlussübung statt. 43 Kameraden waren zur Stelle, trotz des Sonntags. Es wurde in Anbetracht der anstehenden Schlussübung in allen Abteilungen fleißig geübt.

Der 5. Oktober 1930 war der Tag der Schlussübung. Pünktlich um 17 Uhr rückte die Wehr am Steigerturm an, wo zunächst ein schneidiger Parademarsch stattfand. Alsdann folgten die Steigerübungen am Turm unter dem Kommando von Steigerführer Hüls. Anschließend führten die Spritzen- und Hydrantenmannschaft unter Führung der Kameraden Walther und Söding ihre Übungen vor. Anschließend fand ein Gesamtlöschangriff statt. Schnell war die Mannschaft am Übungsobjekt. Die Motorspritze wurde in Betrieb gesetzt und aus sechs Schlauchleitungen ergossen sich die Wasserwogen über das höchste Haus des Stadtteils (Besitzung Hovemann) an der Johannesstraße. Führer und Mannschaften zeigten, dass sie im Sommer fleißig geübt hatten und im Ernstfall auch Herr der Lage zu werden verstehen. Die Gesamtkommandoabgabe lag in den bewährten Händen des 2. Brandmeisters Lessmöllmann. Nach Abschluss der Übung fand die übliche Kritik statt. Nachdem Kamerad 1. Brandmeister Thiel alle Erschienenen begrüßt hatte, übergab er Oberbürgermeister Dr. Mende das Wort, der unter anderem folgendes sagte: „Es war für mich heute eine große Freude feststellen zu können, wie schlagfertig die Abteilung Merklinde ist. Ich muss sagen, dass mir ihre Herren Führer wie auch Mannschaften ausgezeichnet gefallen haben. Meine ganze Aufmerksamkeit lenkte allerdings ihre neue Motorspritze auf sich. Ich war offen gestanden über alles Erwarten erstaunt, als ich die Motorspritze in Tätigkeit sah. Was sie da, meine lieben Wehrleute, geschaffen haben durch den Umbau eines alten Lastwagen, ist einfach mustergültig und ich kann ihnen zu dieser wackeren Tat nur auf das herzlichste gratulieren. Was sie da vollbracht haben, steht in ganz Deutschland glaube ich einzig da. In Anbetracht ihrer fieberhaften Arbeit, die sie auf dem Gebiet der Feuerverhütung geleistet haben und zwar durch das energische Aufbieten aller ihrer Kräfte und durch das zielbewusste Wollen ihrer Führung, habe ich im Auftrage des Herrn Stadtbrandkreisdirektors Sinder, ihnen eine freudige Mitteilung zu machen. Ihr Kamerad Thiel ist mit dem heutigen Tage zum Oberbrandmeister und ihr Kamerad Lessmöllmann zum 1. Brandmeister befördert und beide sind hiermit behördlicherseits anerkannt. Auch hierzu meinen persönlichen sowie der Stadtverwaltung Glückwunsch.“

Ein stürmischer Beifall schloss sich an. Herr Bürgermeister Schulze streifte die Übung noch einmal in ihren Einzelheiten und schlug das Gesamtprädikat ”sehr gut” vor, was auch bei den übrigen Führern Anklang fand. Hierauf ergriff Herr Ingenieur Rottmann von den Chemischen Werken Lothringen GmbH in Bochum-Gerthe das Wort: „ Bevor ich hierher kam , wohnte ich einer Übung auf dem Stickstoffwerk in Herne bei und muss sagen, dass ihre gezeigten Leistungen denen einer Berufswehr in etwa an nichts nachstehen. Als Maschinenfachmann kann ich ihnen nur sagen, dass mir die Motorspritze, die ich anlässlich einer Übung auf dem Werk zu Gesicht bekam, ausgezeichnet gefallen hat. Ich gratuliere sowohl zur Erstellung der neuen Motorspritze, wie auch zu den gezeigten Übungen.“

Den Glückwünschen schloss sich dann noch Kamerad Oberbrandmeister Berner von der Hansawehr in Dortmund-Huckarde an. Als letzter sprach Stadtkreisbranddirektor Sinder herzliche Worte der Anerkennung. Lobend hob er die echte Kameradschaftspflege der Merklinder Wehr hervor und zensierte die Übung sogar mit Auszeichnung. Kamerad Oberbrandmeister Thiel dankte allen für die anerkennenden Worte. Am Abend fand im Stehmann’schen Saal eine Familienfeier statt. Hier wechselten gemeinsame Lieder, Musikdarbietungen und Tanz einander ab. Hauptlehrer Mühlenstedt führte einen Lichtbildervortrag über den Werdegang der Feuerwehr und die Feuerverhütung vor und erntete für seine Bemühungen großen Beifall.

An der am Sonntag, dem 27. Oktober 1930, stattgefundenen Beerdigung des bei einem Grubenunglück in Alsdorf ums Leben gekommenen Kameraden Warner von der Abteilung Rauxel-Dorf, beteiligte sich die Wehr mit 37 Kameraden.

In der Novemberversammlung wurde eine Alters-Ehrenabteilung ins Leben gerufen, die alle die Kameraden aufnimmt, die durch Alter oder Krankheit daran gehindert sind, ihre Aktivität aufrechtzuerhalten. Ferner wurde der Kauf einer elektrischen Beleuchtung mit Scheinwerfer und einer Motor-Brandsirene getätigt. Die Beleuchtung war für eine Nachtausfahrt der Motorspritze zur unbedingten Notwendigkeit geworden, während die Motor-Brandsirene für eine schnellere, sichere und weithin hörbare Alarmierung sorgen soll. Beide Geräte wurden aus eigener Kasse finanziert.

Somit hat die Wehr für Motorspritze, elektrische Beleuchtung und Brandsirene, ohne Zuschuss der Bevölkerung, ihren Gesamtkassenbestand in Höhe von 2.850 Mark zur Verfügung der Allgemeinheit hergegeben.

Am 6. Dezember 1930 erfolgte durch die Stadtkreisbranddirektor Sinder, Branddirektor Roloff und Oberbrandmeister Rudloff die Abnahme der auf dem westlichen Giebel des Vereinswirtes Lessmöllmann angebrachten Brandsirene. Von der Abteilung Merklinde waren zugegen der 1. Brandmeister Lessmöllmann sowie ein weiteres Vorstandsmitglied.

Anschließend fand die fällige Monatsversammlung statt. Zunächst wurde die behördliche Bestätigung des inzwischen zum 2. Brandmeister gewählten Kameraden Hüls, anstelle des zum 1. Brandmeister beförderten Kameraden Lessmöllmann verlesen. Kamerad Mausbach erhielt für 25jährige Mitgliedschaft das Verdienstabzeichen. Beide Auszeichnungen nahm Kamerad Roloff, anstelle des verhinderten Kameraden Stadtkreisbranddirektor Sinder, vor. Kamerad Roloff gratulierte zur Erstellung der neuen Brandsirene und sagte, dass die Kommission sie für ausgezeichnet befunden habe. Darauf fand eine Nikolausfeier statt. Nach jeder 1. Übung im Monat wurde regelmäßig die fällige Monatsversammlung abgehalten. Außer den vorbenannten Übungen fanden noch einige Zwischenübungen statt, die sich in der Hauptsache auf Löschangriffe erstreckten.

Hiermit endet der Jahresbericht für das Jahr 1930.

In den folgenden Jahren konnte die Wehr dank guter Ausbildung und Ausrüstung die an sie gestellten Aufgaben erfüllen. Selbst in den Notjahren der Arbeitslosigkeit gelang es der Wehr, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Arbeitslose Kameraden wurden unterstützt, auch konnten auswärtige Arbeitsstellen vermittelt werden. Als dann die militärische Aufrüstung kam, war es mit der Freiwilligen Feuerwehr zu Ende. Die Wehr wurde im Luftschutz ausgebildet und als der zweite Weltkrieg ausbrach, existierte der frühere Löschzug Merklinde nicht mehr. Ein Teil der Feuerwehrmänner wurde der Luftschutzpolizei unterstellt.

Die Folgen des Zweiten Weltkrieges für den Stadtteil Merklinde

War bis Ende 1944 der Stadtteil noch vor größeren Schäden verschont geblieben, änderte sich dies Anfang 1945 schlagartig. Am 3. Januar 1945 wurde durch eine Luftmine das Geschäfts- und Wohnhaus Isenberg, Gerther Straße 62, total zerstört. Die dreiköpfige Familie Kuligga fand dabei den Tod. Auch das Wohnhaus Kurtenbach, Gerther Straße 57, wurde zerstört und die umliegenden Gebäude wurden schwer beschädigt. Am 16. Februar 1945 stürzte das Haus der Witwe Rüter, Wittener Straße 335, unter dem Druck einer Mine ein. Dabei wurde auch das Haus Gronemann, Wittener Straße 343, stark beschädigt, ebenso die Wasserleitung auf der Wittener Straße. Das Wasser musste daraufhin aus den wenigen noch vorhandenen Brunnen und Pumpen herangeschafft werden. Einen großen Verlust erlitt der Landwirt Wilhem Vierhaus, Merklinder Straße 39, am Nachmittag des 24. März 1945. Durch eine Mine wurde das Anwesen vollständig eingeebnet. Der gesamte Viehbestand, darunter drei Zuchtstuten mit Fohlen, ein Zuchtbulle, dreizehn Milchkühe, fünf Rinder, zwei prämierte Jagdhunde und sämtliche landwirtschaftlichen Maschinen gingen verloren.

Bei dem Panzergefecht auf dem Hellweg am 6. April 1945 wurden die Kötterhäuser Ohmann, In der Recke 26, und Lintner, Hellweg 212, durch Flammenwerfer vernichtet. Schwer beschädigt wurden auch die Wohnhäuser Hellweg 214, 214 a, 216 und 216 a.

Schwere Kämpfe fanden auch in der Gegend der Brennerei Büchter und im Wagenbruch statt. Fast alle Gebäude erlitten mehr oder minder größere Schäden. Am 8. April 1945 erfolgte die endgültige Besetzung von Merklinde durch die Amerikaner.

Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg

Durch Kriegseinwirkungen wurde das Gerätehaus an der Wittener Straße schwer beschädigt. Zum Glück waren einige wertvolle Geräte und Schlauchmaterial bei Landwirten und größeren Grundstücksbesitzern untergebracht. Anfang 1946 konnte die Wehr daher bereits mit alten und einigen neu eingetretenen Männern wieder den Dienstbetrieb aufnehmen. Im Zuge des Wiederaufbaus des gesamten Brandschutzes innerhalb der Stadt Castrop-Rauxel, ordnete der Regierungspräsident in Arnsberg die Aufstellung einer hauptberuflichen Feuerwehr an. Erster Leiter der Hauptamtlichen Feuerwache wurde der von der Stadt Castrop-Rauxel am 12. November 1945 eingestellte Oberbrandmeister Theodor Ring. In seiner Eigenschaft als Stadtbrandmeister begann er dann auch sofort mit dem Aufbau der Freiwilligen Feuerwehren im Stadtgebiet. Innerhalb kürzester Zeit gelang es ihm, die Freiwillige Feuerwehr in Castrop-Rauxel wieder aufzustellen. Leider machte sich die eingetretene schleichende Geldentwertung, die große Verknappung der Lebensmittel und Rohstoffe bemerkbar. Nach der Währungsreform am 21. Juni 1948 ging es jedoch dann schnell bergauf. 1949 konnte wieder ein Trommlerkorps aufgestellt und durch Neubildung der Jugendfeuerwehr für Nachwuchskräfte gesorgt werden. So konnte auch das 50jährige Bestehen der Wehr in der Zeit vom 19. bis 21. Juni 1954, verbunden mit dem Kreisfeuerwehrtag 1954, begangen werden. Die Festveranstaltung fand unter großer Anteilnahme der Bevölkerung von Merklinde-Bövinghausen statt.

Da das alte Löschfahrzeug im Krieg verloren gegangen war, musste man sich zunächst mit einer alten Handdruckspritze behelfen. Bei Übungen und im Ernstfall stand jedoch ein Löschfahrzeug der Hauptamtlichen Feuerwache zur Verfügung. Am 25. Januar 1959 erhielt der Löschzug Merklinde endlich ein modernes Löschgruppenfahrzeug (LF 8) auf Opel-Blitz Fahrgestell mit einem einachsigen Tragkraftspritzenanhänger (TSA). Löschgruppenfahrzeuge vom Typ LF 8, gekoppelt mit einem einachsigen Tragkraftspritzenanhänger, waren in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts allgemein üblich. Die Übergabe erfolgte im Beisein von Stadtbrandmeister Ring und Stadtdirektor Bangel.

Die Jahre 1961/1962 brachten für die Wehr einige Veränderungen, als mehrere Führungskräfte infolge Erreichen der Altersgrenze aus dem aktiven Dienst ausschieden und in die Altersabteilung wechselten. Es waren hier die Brandmeister Heinrich Rottmann, Hugo Wieschemann, Georg Lakenberg und Hauptbrandmeister Friedrich Thiel. Da jedoch frühzeitig für Nachwuchs gesorgt worden war, ging der Dienstbetrieb reibungslos weiter.

Die sechziger Jahre

Zu den Höhepunkten des Jahres 1960 zählte ein offizieller Abend, den die Merklinder Feuerwehr für ihr passives Ehrenmitglied Dr. Ing. e.h. Friedrich Uhde aus Anlass seines 80. Geburtstages am 21. Juli 1960 gab. Der damaligen Jugendfeuerwehr schenkte Dr. Uhde aus diesem Anlass eine Tragkraftspritze. Diese ist auch heute noch vorhanden. Die Merklinder Feuerwehrleute haben sie in einen Trabant – besser als Trabbi bekannt – eingebaut, den sie in der Wendezeit erwarben und in Eigenarbeit zum Feuerwehrauto umbauten. Dr. Uhde, am 12. Juli 1880 in der Bierstadt Einbeck bei Hannover geboren, wurde zunächst aus familiären Gründen im Bövinghausener Dorf sesshaft.

Seine Ehefrau entstammte dem damaligen Bövinghausener Bauernhof Hubbert, der nach der kommunalen Gebietsreform von 1926 zum Stadtgebiet von Bochum-Gerthe, direkt hinter der Stadtgrenze gelegen, zählen sollte. Dieser nördlich gegenüber dem Hof Mittelviefhaus auf einer leichten Anhöhe gelegene Hof beherbergt heute Pferde und war auch durch die Gastwirtschaft ”Haferkiste” bekannt. Seine ersten beruflichen Erfolge erreichte Dr. Uhde bei der Firma Dr. C. Otto und bei der Bergbau AG Lothringen in Bochum-Gerthe.

Während des 1. Weltkrieges wurde Dr. Uhde im Jahre 1915 vorzeitig aus dem Heeresdienst entlassen, um – was für das damalige kaiserliche deutsche Vaterland sehr viel wichtiger war –

eine Großanlage zur Herstellung von Salpetersäure, Ammoniumnitrat und Natronsalpeter für die Chemischen Werke Lothringen zu bauen.

Nach dem 1. Weltkrieg gründete Dr. Uhde im Geburtshaus seiner Frau im damaligen Bövinghausener Bauerndorf ein Ingenieurbüro. Hier entstand die Keimzelle zu einer Weltfirma, deren Hauptsitz alsbald nach Dortmund zur Deggingstraße 10 verlegt werden sollte.

Die Merklinder Feuerwehrleute sind auch heute noch stolz, mit Dr. Uhde einen der bedeutendsten Vertreter der deutschen Ingenieurwissenschaft ihr Ehrenmitglied nennen zu dürfen. Dr. Uhde zählt zu den bedeutenden Pionieren der deutschen Ingenieur- und Technikgeschichte, von deren Errungenschaften Deutschland bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein. Es dokumentiert die reale Basisverbundenheit eines späteren Weltbürgers Dr. Uhde, dass er bei allem Erfolg, den Kontakt zu seinen lokalen Feuerwehrkameraden nicht abreißen ließ, was den Abend vom 21. Juli 1960 im alten Bövinghausener Bauerndorf erklärt. Dieser Abend, bei dem der Spielmannszug der Merklinder Feuerwehr Herrn Dr. Uhde einen eigens für diesen Zweck eingeübten Begrüßungsmarsch präsentierte, war einer der letzten Höhepunkte der langjährigen Löschzugführertätigkeit des Kameraden Fritz Thiel. 1961 schieden der damalige Löschzugführer Hauptbrandmeister Fritz Thiel und sein Stellvertreter, Brandmeister Heinrich Rottmann, aus dem aktiven Dienst aus. Neuer Löschzugführer wurde der Oberbrandmeister Felix Lakenberg, der diese Funktion bis 1984 – später als Hauptbrandmeister – ausübte. Allerdings übte er diese Funktion bis 1964 zunächst nur kommissarisch aus. Erst auf dem Zeltfest 1964 wurde Felix Lakenberg offiziell in das Amt des Löschzugführers eingeführt. Sein Stellvertreter wurde der Brandmeister Wilhelm Rottmann, der auch als Leiter des Spielmannszuges und der Jugendwehr bis zu seinem Ausscheiden im Jahre 1971 wirkte.

Die sechziger Jahre wurden im wesentlichen durch zwei Entwicklungen geprägt, zum einen durch das Inkrafttreten des Bundesgesetzes zur Erweiterung des Katastrophenschutzes und zum anderen durch die neu geschaffene Möglichkeit für junge Männer, durch eine zehnjährige Verpflichtung vom Grundwehrdienst befreit zu werden.

Kurz nach der Wiederbewaffnung mit Errichtung der Bundeswehr im Jahre 1955 ergab sich aus den Erfahrungen stetiger Luftangriffe durch die Alliierten im 2. Weltkrieg für die Politiker die Notwendigkeit, für die Situation eines erneuten Spannungsfalles bzw. Verteidigungsfalles, für den Schutz der Zivilbevölkerung Vorsorge zu treffen. Am 09. Oktober 1957, zwei Jahre nach der Wiederbewaffnung, wurde das Bundesgesetz über Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung verabschiedet. Nach § 1 dieses Gesetzes war unter anderem ein Luftschutz zu organisieren, der im wesentlichen die Aufgaben haben sollte, Leben und Gesundheit der Bevölkerung, Wohnstätten und öffentliche Einrichtungen sowie Kulturgüter gegen die Gefahren von Luftangriffen zu schützen bzw. verursachte Schäden zu mildern oder zu beseitigen. § 10 des Gesetzes verpflichtete die Kommunen zur Aufstellung, Ausbildung und Ausrüstung eines geeigneten Luftschutzdienstes. Hierzu griff man aufgrund der Sachnähe auf die Freiwilligen Feuerwehren zurück, die zur Mitarbeit gewonnen wurden, die anfangs freiwillig war. Es handelte sich um die Geburtsstunde des Katastrophenschutzes.

Nach den Höhepunkten des ”Kalten Krieges”, mit dem Berliner Mauerbau und der Kuba-Krise, wurde der Katastrophenschutz ernster genommen. Durch das Bundesgesetz zur Erweiterung des Katastrophenschutzes von 1968 wurden die Freiwilligen Feuerwehren zur Mitwirkung im Katastrophenschutz verpflichtet. Der Bund zog dabei zunehmend Kompetenzen an sich. Diese Gesetzesinitiative war Teil der sogenannten Notstandsgesetze der Großen Koalition unter Bundeskanzler Kiesinger, die auch zur Bildung der Protestbewegungen von 1968 führte.

Für die Merklinder Wehr führte die Gesetzesinitiative zu einer Mehrzahl neuer Feuerwehrfahrzeuge. Neben dem damaligen kommunalen Löschgruppenfahrzeug LF 8 ( Opel Blitz ) standen fortan folgende vom Katastrophenschutz des Bundes gestellte Fahrzeuge im Gerätehaus:

– ein Löschgruppenfahrzeug LF 16 TS (Magirus-Deutz) mit großen Schlauchreserven und einer zweiten eingeschobenen Tragkraftspritze,

– zwei Tanklöschfahrzeuge TLF 8 (Mercedes Unimog) mit jeweils 800 Liter Löschwassertank und Schnellangriffseinrichtung,

– ein Vorauslöschfahrzeug (Mercedes Unimog) mit einem 330 Liter-Wassertank, einer Vorbauseilwinde sowie Lösch- und Bergungsgeräten .

Ferner wurden viele Feuerwehrkameraden bei einer Verpflichtung zur mindestens zehnjährigen Mitarbeit von der Ableistung des Grundwehrdienstes befreit. Dies darf jedoch nicht als Befreiung vom Wehrdienst insgesamt, zum Beispiel im Spannungsfall, missverstanden werden.

Die sechziger Jahre bleiben auch unter dem Aspekt im Gedächtnis der älteren Kameraden und Merklinder Bürger, dass ein Feuerteufel den Süden der Europastadt in Atem hielt und das, neben den üblichen Bränden auf der damaligen Müllkippe Brandheide, viele Einsätze zu bewerkstelligen waren. Mehrere Bauernhöfe, insbesondere Scheunen in Merklinde, Frohlinde und Obercastrop fielen dem nicht sesshaften und vorbestraften Täter zum Opfer, bis dieser nach Monaten endlich gefasst wurde. Damals verabschiedeten sich Feuerwehrleute, die sich irgendwo in der Stadt trafen, oft mit der Bemerkung: „Wir sehen uns heute bestimmt noch“.

Im Jahre 1964 blickte die Merklinder Feuerwehr auf ihr 60jähriges Bestehen zurück. Dies war Anlass für ein großes Zeltfest auf dem Gelände des damaligen Merklinder Sportplatzes an der Ecke Bockenfelder Straße/Merklinder Straße, wo sich heute das Firmengelände eines Speditionsunternehmens befindet. Südlich angrenzend befanden sich Behelfsunterkünfte, die damals im hiesigen Sprachgebrauch unter ”Flüchtlings-Baracken” bekannt waren. Heute befinden sich dort die Unternehmen an der Kupferstrasse. Noch früher, vor dem 2. Weltkrieg, befand sich auf dem Gelände im Bereich der heutigen Kupferstraße eine Ziegelei. Vom Zeltfest des Jahres 1964 seien zwei Punkte hervorgehoben:

– Der bereits seit 1961 faktisch als Löschzugführer, wenn auch zunächst nur kommissarisch, wirkende Kamerad Felix Lakenberg wurde offiziell in das Amt als Löschzugführer eingeführt.

– Unter Beteiligung der weiteren Castrop-Rauxeler Feuerwehreinheiten fand auf dem Firmengelände der früheren Firma Westark an der Ecke Merklinder Straße/Dornackerstraße (dort befindet sich heute eine Großbäckerei) eine Großübung statt.

Ein klassisches Kinderprogramm, unter anderem mit Sackhüpfen, Luftballonwettbewerb, war damals zur Begeisterung der Kinder völlig ausreichend und wurde als willkommene Abwechslung vom Alltag zu Hause und in der Volksschule empfunden.

Die siebziger Jahre

1970 nahm die Merklinder Wehr am Deutschen Feuerwehrtag in Münster teil. Wenige Meter neben dem braungebrannten damaligen Bundeskanzler Willy Brandt stand dabei der damalige Stadtbrandmeister Theodor Ring auf dem Prinzipalmarkt in der ersten Reihe am Münsteraner Rathaus, um die Parade der Feuerwehrleute abzunehmen. Der Abend endete in einem Lokal der Heimatgemeinde des Kameraden Ring, in Albersloh, der Heimatgemeinde des Kameraden Ring, wo die Castrop-Rauxeler Feuerwehrleute am damals noch nicht allen vertrauten Farbfernseher beim Endspiel der Fußballweltmeisterschaft in Mexiko zwischen den Mannschaften von Brasilien und Italien zum letzten Mal international die Fußballkünste eines gewissen Edson Arantes do Nascimento – besser bekannt als Pele – bewundern konnten.

1971 wurden außerordentliche Anstrengungen zur Reaktivierung des Spielmannszuges und der Jugendfeuerwehr unternommen. Für die ergänzende Ausbildung der neuen Kräfte im Spielmannszug gewann Kamerad Ring Willi Knauer vom Spielmannszug ”Westfalenklang”. Dieser leistete einige Monate sozusagen Starthilfe. Die Betreuung der Jugendwehr und des Spielmannszuges wurde in der Folge Heinz Franke übertragen, der sich in diesen Bereichen über viele Jahre engagierte. Zugleich gab es einen Wechsel im Amt des stellvertretenden Löschzugführers. Der Kamerad Wilhelm Rottmann schied aus. Neuer stellvertretender Löschzugführer wurde der Kamerad Klaus Gröne.

1974 feierte die Wehr ihr 70jähriges Bestehen auf dem Gelände der heutigen Firma ALSCO an der Merklinder Straße. Man entschloss sich zu einem gemeinsamen Zeltfest mit der Kolpingfamilie St. Marien, die damals ihr 25jähriges Jubiläum feierte. Bereits damals kamen Zweifel des Inhaltes auf, ob sich ein klassisches Zeltfest, wie es von Schützenvereinen allgemein bekannt ist, in unserem Ortsteil mit seiner im Laufe der Jahre geänderten Struktur, noch in jedem Fall lohnt. Bereits 1974 wollte man so Kosten, Risiken und Arbeit teilen und begrenzen. Dies dokumentiert sich auch in einer gemeinsamen Festzeitschrift der Freiwilligen Feuerwehr und der Kolpingfamilie St. Marien.

Es sollte, zumindest bislang, ein einmaliger Vorgang bleiben, obgleich das gemeinsame Zeltfest von 1974 eine weitere Zusammenarbeit von Freiwilliger Feuerwehr und Kolpingfamilie förderte, die so auch zum alljährlichen Skatturnier der Merklinder Vereine führte.

1975 verlor die Europastadt Castrop-Rauxel ihre Unabhängigkeit. Nach langen politischen Diskussionen entschied sich der Landtag von Nordrhein-Westfalen, Castrop-Rauxel nicht als weiteren Stadtteil nach Dortmund einzugemeinden. Mit der Eingliederung in den Landkreis Recklinghausen realisierte sich das kleinere Übel, so dass Castrop-Rauxel, so zum Beispiel im Unterschied zu Wattenscheid – was man dort bis zum heutigen Tag noch nicht verwinden kann – seine eigenen Stadtrechte behalten konnte. Im Ergebnis wurden die Merklinder Wehrleute Mitglieder des Kreisfeuerwehrverbandes Recklinghausen.

Eine weitere Änderung kam mit der kommunalen Neugliederung von 1975 hinzu. Bis dato gehörte Castrop-Rauxel zum Zuständigkeitsbereich des Regierungspräsidenten Arnsberg. Dessen Bezirksbrandmeister wirkte als Aufsichtsbehörde für die Castrop-Rauxeler Feuerwehr. Da der Kreis Recklinghausen aber zum Regierungspräsidenten Münster gehörte, wechselte im Jahre 1975 die Zuständigkeit der mittleren Aufsichtsbehörde von Arnsberg nach Münster.

Heute spricht man nicht mehr vom Regierungspräsidenten, sondern von Bezirksregierung. Auch bei der Feuerwehr war die ”Einkreisung” der Europastadt keine ganz leichte Geburt. Der damalige Stadtbrandmeister Helmut Kugler – er hatte 1973 die Nachfolge des Kameraden Theodor Ring angetreten – förderte die Zusammenarbeit mit dem Kreis sehr engagiert. Im damals neu gewählten Vorstand des Kreisfeuerwehrverbandes Recklinghausen übernahm er die Funktion eines ersten Beisitzers, gleich hinter dem damaligen Kreisbrandmeister Richard Kroonen als Vorsitzenden. Kamerad Helmut Kugler, der 2003 verstarb, war eher ein Freund neuer Ideen, denn großer Reden. Er räumte mit seiner pragmatisch vordringenden Art manche Brocken aus dem Weg, die die Zusammenarbeit der Castroper Wehren mit den übrigen des Kreises Recklinghausen behindern konnten. Im Jahre 1977 überredete er unter anderem die Merklinder Brandmeister, sich beim jährlichen Leistungsnachweis der Feuerwehren des Kreises Recklinghausen in Haltern als Wettkampfschiedsrichter zur Verfügung zu stellen. Alljährlich findet dieser auf dem Gelände des Lippspiekers bei Haltern statt. Seit 1978 nehmen mindestens zwei Löschgruppen der Merklinder Feuerwehr, jeweils neun Kameraden stark, am alljährlichen Leistungsnachweis der Feuerwehren des Kreises Recklinghausen in Haltern teil.

Am 8. August 1976 verstarb Hauptbrandmeister Fritz Thiel im Alter von 80 Jahren. Fritz Thiel führte die Merklinder Wehr als Löschzugführer 31 Jahre, von 1930 bis zu seinem Übertritt in die Alters- und Ehrenabteilung (heutige Bezeichnung: Ehrenabteilung) im Jahre 1961. Fritz Thiel, der 1964 vom Bundespräsidenten mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet wurde, fungierte von 1953 bis 1961 auch als stellvertretender Stadtbrandmeister von Castrop-Rauxel, die nach ihm noch zwei weitere Merklinder Feuerwehrmänner erreichen sollten, Klaus Gröne und – derzeit im Amt – Torsten Franke.

Aus den Ereignissen des Jahres 1977 ist die Begründung der freundschaftlichen Beziehungen nach Herforst/Kreis Bitburg hervorzuheben. Bereits 1977 konnten unsere benachbarten Kameraden vom Löschzug 1 – Castrop – ihren 100. Geburtstag feiern. Natürlich waren fast alle Merklinder Wehrleute dabei. Dabei waren aber auch die Wehrleute der Freiwilligen Feuerwehr aus Herforst, einer damals 800 Seelen großen, zwischen Bitburg und Wittlich bzw. Bernkastel gelegenen Gemeinde. Aus Herforst, in dessen unmittelbarer Nähe der amerikanische Luftwaffenstützpunkt Spangdahlem – ein wichtiger lokaler Arbeitgeber – gelegen ist, stammen auch Vorfahren der Castroper Kaufmannsfamilie Loskill. Bei der Firma Loskill und bei der Stadtverwaltung waren um 1977 – und auch danach – Verwandte der Herforster Familie Antony beschäftigt, die in der Herforster Feuerwehr engagiert und führend mitwirkten und auch heute noch mitwirken. Auf diese personellen Verbindungen war der Besuch zahlreicher Herforster Kameraden auf dem 100jährigem Jubiläum des Löschzuges 1 – Castrop – im Jahre 1977 zurückzuführen. Herforster und Merklinder lernten einander kennen. Die Löschzugführer, Felix Lakenberg auf Merklinder Seite und sein Herforster Kollege Adolf Antony, beschlossen wechselseitige Besuchskontakte. Der erste Besuch Merklinder Wehrleute in Herforst, an dem rund ein Dutzend Kameraden teilnahm, fand noch im Jahre 1977 statt. Zahlreiche wechselseitige Kontakte und Besuche sollten folgen, in die auch die Jugendfeuerwehr, der Spielmannszug der Merklinder Wehr und insbesondere auch der Musikverein von Herforst mit seinem Blasorchester einbezogen wurden. Hierbei überrascht immer wieder das spiel- und orchestertechnisch hohe Niveau, welches das Blasorchester des Herforster Musikvereins, einer Gemeinde mit rund 1.000 Einwohnern, erreicht. Dies gilt ähnlich auch für andere Blasorchester benachbarter kleiner Gemeinden aus der Südeifel.

Im Jahre 1979 blickte die Merklinder Feuerwehr auf ihr 75jähriges Bestehen zurück. Aus diesem Anlass wurde auf dem Gelände östlich der Stahlbaustrasse zwischen den Firmen Risse, Möbel Tacke und Vestatec ein mehrtätiges Zeltfest gefeiert. Es sollte das bislang letzte große und mehrtägige Zeltfest der Merklinder Feuerwehr sein. Auch andere Organisationen gelangten zu der Einschätzung, dass sich aus verschiedensten Gründen mehrtägige Zeltfeste, wie man sie im allgemeinen aus dem Brauchtum der Schützenvereine kennt, in unserer heutigen Zeit in unseren Breiten leider nicht mehr lohnen. Bestandteil des 75jährigen Jubiläums waren neben einer Großübung, die Delegiertentagung des Stadtfeuerwehrverbandes, eine Kranzniederlegung für die verstorbenen, gefallenen und vermissten Kameraden sowie ein Festakt und zwei weitere Tanzabende im Festzelt. Auf dem Zeltgelände waren für die Kinder mehrere Karussells zu einer regelrechten Kinderkirmes aufgebaut. Unvergesslich bleiben wird dabei der Beitrag von Petrus am Sonntagabend. Während im Festzelt ein von anspruchsvoller Akrobatik aufgelockerter Tanzabend stattfindet, tobte urplötzlich Petrus mit einem Gewitter derart heftig dazwischen, dass längere Zeit der Strom ausfiel und alles im Dunkeln stand. Im positiven Sinn unvergesslich bleibt ein farbenprächtiger großer Umzug durch den Ortsteil Merklinde.

Die achtziger Jahre

Ende Juni 1981 nahmen die Merklinder Wehrleute Abschied von ihrem alten Löschgruppenfahrzeug LF 8 auf Opel Blitz-Fahrgestell. Es war am 25. Januar 1959 in Merklinde übergeben worden und hatte 22 Jahre verlässlich seinen Dienst getan. Der damalige Feuerwehrdezernent der Stadt Castrop-Rauxel, der Erste Beigeordnete Theodor Elting, übergab im Rahmen eines Übungsabends am alten Merklinder Gerätehaus Löschzugführer Felix Lakenberg die Fahrzeugschlüssel eines neuen Löschgruppenfahrzeugs vom Typ LF 8 auf Mercedes-Benz-Fahrgestell.

Zum 80jährigen Jubiläum im Jahre 1984 entschied sich der Löschzug zur Durchführung eines kleineren Zeltfest, für das die Familie Büchter, Frau Linnigmann und Herr Hüttner, das Betriebsgelände an der Gerther Straße zur Verfügung stellten. Die üblichen Bestandteile eines solchen Jubiläums – Großübung, Delegiertentagung und Kranzniederlegung – wurden beim Festakt durch den personellen Wechsel an der Spitze des Löschzuges ein wenig in den Hintergrund gedrängt. Felix Lakenberg wurde nach 23jährigem Wirken als vom damaligen Stadtbrandmeister Wolfgang Kessebohm verabschiedet. Er wechselte in die Alters- und Ehrenabteilung. Sein Nachfolger wurde der bis dato als Stellvertreter wirkende Hauptbrandmeister Klaus Gröne, der dieses Amt bis 1996 innehaben sollte. Neuer stellvertretender Löschzugführer wurde der Oberbrandmeister Heinz-Wilhelm Franke, der dieses Amt im Juni 1999 bei seinem altersbedingten Wechsel in die Alters- und Ehrenabteilung aufgab.

Aus dem Jahre 1987 ist eine Pionierleistung der Merklinder Feuerwehr hervorzuheben. Als erste Feuerwehreinheit im gesamten Kreis Recklinghausen nahm die Feuerwehr Merklinde weibliche Mitglieder auf. Zunächst wurde dies 1987 auf die Aufnahme von Mädchen in die Jugendfeuerwehr begrenzt. Damit sollte eine schonende allmähliche Aufnahme des zarten Geschlechts in die Feuerwehr – von der Jugend her – erreicht werden. Drei Jahre später entschied man sich dann, der Damenwelt auch die aktive Wehr, ohne vorherigen Durchlauf in der Jugendwehr, zugänglich zu machen.

Die neunziger Jahre

Das Jahr 1991 sollte in die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Merklinde als das Jahr mit den bislang größten Schadensereignissen eingehen:

Im Januar 1991 schloss das Möbelhaus Schulze an der Bockenfelder Straße (heute Firma Tegro) nach einem Räumungsverkauf seine Pforten. Kaum war dieser beendet, entwickelte sich im Objekt ein Großbrand mit einer aus den seinerzeitigen Presseveröffentlichungen bekannten Schadenssumme von ca. drei Millionen DM. Die Merklinder Wehrleute waren neben anderen Einheiten mehr als 24 Stunden im Einsatz.

Bereits zum Pfingstfest 1991 kam es im Mai zu einem noch größeren Schadensereignis. Das Firmengelände der früheren Küchenfirma ”Prima Vera”, in welchem damals ein Lager der Möbelfirma Tacke und mit der Firma Vestatec ein Autoveredler (Tuningbetrieb) untergebracht war, ging in Flammen auf. Die Zeitungen berichteten anfänglich über einen Sachschaden von zehn Millionen DM. In späteren Presseberichten wurde sogar eine Schadenshöhe von 15 bis 20 Millionen DM genannt. Fast sämtliche Castrop-Rauxeler Feuerwehrkräfte, sowohl die Hauptamtliche Wache als auch mehrere Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr und die Betriebsfeuerwehr der Firma Thimm waren über viele Stunden gebunden. Für die Merklinder Wehrleute dauerte auch dieser Einsatz weit mehr als 24 Stunden.

Das 1992 war gerade drei Monate alt, als die Merklinder Feuerwehr zusammen mit den weiteren Castroper-Rauxeler Wehren einen weiteren Großbrand mit einem Millionenschaden zu bekämpfen hatte. Am 30. März 1992 löste ein zugepackter Halogenstrahler über einem Hochregallager auf dem Firmengelände der früheren Ziegelei Lessmöllmann einen Großbrand aus. Bereits damals wurde das Objekt nicht mehr als Ziegelei sondern als Lager genutzt, insbesondere für Autoersatzteile. Der Einsatz begann gegen 21 Uhr und endete für die meisten Wehrleute erst in den hellen Morgenstunden des Folgetages; für nicht wenige dauerte er mehr als 24 Stunden. Probleme bereitete der enorme Löschwasserbedarf, wodurch auch ein Verkehrschaos auf der Bundesstraße 235, der Wittener Straße, ausgelöst wurde.

Bereits auf der Delegiertentagung des Feuerwehrstadtverbandes 1974, beim 70jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Merklinde, wurde der Beschluss gefasst, dass viel zu kleine und zudem praktisch baufällige alte Merklinder Gerätehaus im Hinterhof des Hauses Wittener Straße 372 durch ein neues Feuerwehrgerätehaus zu ersetzen. Die Realisierung sollte 19 Jahre benötigen. Doch was lange währt gelingt nach dem Volksmund in der Regel recht gut. Nachdem über die Jahre viele Vorhaben an unterschiedlichen Standorten im Ergebnis scheiterten, wurde von Ende 1991 bis Mai 1993 das heutige Gerätehaus an der Wittener Straße 274 errichtet. Die Eingliederung einer Dienstwohnung zur Abwehr ungewollten Besuchs wurde jedoch nicht realisiert. Gleichwohl gelang der Bau eines architektonisch schönen und funktionellen neuen Gerätehauses, auf das die Merklinder Feuerwehrleute nach wie vor stolz sind. Alle Merklinder Feuerwehrleute halfen tatkräftig mit, um mit nicht unerheblichen Eigenleistungen die Baukosten im veranschlagten Kostenrahmen zu halten. Ende 1991 begannen die Arbeiten, als die Kameraden des Löschzuges die auf dem Grundstück befindlichen Gartenlauben entfernten und das Grundstück für die eigentlichen Bauarbeiten vorbereiteten. Das Richtfest fand im Mai 1992 statt. Am 29. Mai 1993 war es dann endlich soweit. Der damalige Stadtbrandmeister Paul Jansen übergab im Rahmen einer Feierstunde die Schlüssel an den Löschzugführer Klaus Gröne. Beim abendlichen Fest in der Fahrzeughalle wirkten auch der Musikverein Herforst und der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Haltern-Flaesheim und natürlich der Spielmannszug der Merklinder Feuerwehr mit.

Spätestens ab Mitte der neunziger Jahre setzte eine Entwicklung ein, die zu einer größeren Beteiligung der Freiwilligen Feuerwehren am alltäglichen Einsatzgeschehen führte. Seitdem steigen die Einsatzzahlen für die freiwilligen Kräfte wieder an. Grund hierfür ist unter anderem die Anhebung des Sicherheitsstandards durch die Schaffung der Brandschutzbedarfspläne. So soll bei jedem Brand in einem Wohnhaus bzw. in einer Wohnung zumindest ein Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr mitalarmiert werden, um eine ausreichende Zahl von Atemschutzgeräteträgern, für Angriffstrupps bzw. als Rettungstrupps für die eingesetzten Kräfte, an der Einsatzstelle zur Verfügung zu haben.

Oft werden die Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr aber auch nur zur so genannten Bereitstellung am Gerätehaus alarmiert. Damit sind Situationen gemeint, wo die hauptamtlichen Kräfte für eine nicht unerhebliche Zeit durch einen anderen Einsatz gebunden sind. Hier wird eine freiwillige Einheit vorsorglich alarmiert, die sich für einen möglichen sofortigen Einsatz bei einem weiteren Schadensfall im Stadtgebiet am Gerätehaus bereit hält. Dabei kommt es regelmäßig auch zu Ersteinsätzen durch die freiwilligen Einheiten, die man zumindest bei uns bis in die achtziger Jahre so nicht kannte. Dieser erweiterte Aufgabenbereich ist nicht ohne Folgen geblieben. Seit einigen Jahren werden freiwillige Feuerwehrleute viel intensiver durch Übungen und insbesondere durch zusätzliche Lehrgänge auf die neue Situation angemessen vorbereitet. Ein Wermutstropfen ist der Umstand, dass viele freiwillige Feuerwehrleute zunehmend Schwierigkeiten haben, die Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr und die damit verbundenen, zunehmenden Belastungen mit ihren Interessen am Arbeitsplatz und den familiären Verpflichtungen in Einklang zu bringen.

Im Jahre 1996 kam es nach zwölf Jahren an der Spitze der Merklinder Feuerwehr zu einem erneuten Führungswechsel. Hauptbrandmeister Klaus Gröne, der inzwischen auch zum stellvertretenden Stadtbrandmeister aufgestiegen war, stellte seine Ämter aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung und wechselte in die Alters- und Ehrenabteilung. Zum neuen Löschzugführer ernannte der damalige Stadtbrandmeister Hermann Sellinghoff den Hauptbrandmeister Torsten Franke. Sein Stellvertreter blieb sein Vater Heinz-Wilhelm Franke.

Im Juni 1999 beging Oberbrandmeister Heinz-Wilhelm Franke seinen 60. Geburtstag und wechselte, wie gesetzlich vorgesehen, in die Alters- und Ehrenabteilung des Löschzuges. Sein Nachfolger wurde der damalige Hauptbrandmeister Heinz-Josef Gremm.

Das neue Jahrtausend

Um eine gleichmäßigere Belastung der Löschzuge der Freiwilligen Feuerwehr Castrop-Rauxel zu erreichen, wurden die Löschbezirke im Stadtgebiet umgestaltet. Dabei wurde der räumliche Zuständigkeitsbereich der Merklinder Wehr deutlich vergrößert, insbesondere nach Norden hin. Seit Februar 2001 ist der Löschzug Merklinde örtlich zuständig für das Stadtgebiet südlich der Bochumer Straße und der Cottenburgstraße, sowie westlich der Dortmunder Straße zwischen der Einmündung der Cottenburgstraße und der Mengeder Straße und südlich der Mengeder Straße bzw. Schloßstraße. Der Löschbezirk der Merklinder Feuerwehr umfasst demnach die Ortsteile Merklinde, Bövinghausen, Frohlinde sowie große Teile von Obercastrop und Schwerin.

Für den Bereich Feuerwehr und Brandschutz ist nach unserer Verfassung das jeweilige Land der zuständige Gesetzgeber. Deshalb gibt es in Nordrhein Westfalen das Feuerschutzhilfeleistungsgesetz, kurz FSHG genannt. In diesem Gesetz sind alle für die Feuerwehren wichtigen Fragen gesetzlich geregelt. Nachdem zum 1. März 1998 ein neues FSHG in Kraft getreten war, entschloss sich der Landtag des Landes Nordrhein-Westfalen auch zu einer Änderung der Verordnung über die Laufbahn der ehrenamtlichen Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr. Die neue Laufbahnverordnung auf der Basis des neuen FSHG trat im Februar 2002 in Kraft. Während bisher Laufbahnverordnungen für die Freiwillige Feuerwehr nur die Frage von Dienstgraden regelten, unterscheidet die aktuelle Laufbahnverordnung zwischen Dienstgraden einerseits und Funktionen andererseits. Einmal erreichte Dienstgrade fallen unter den so genannten Bestandsschutz der betroffenen Feuerwehrleute. Hat ein Feuerwehrmann beispielsweise den Dienstgrad eines Brandmeisters einmal erreicht, behält er diesen Dienstgrad in der Regel auf Dauer, auch wenn er zum Beispiel infolge fortgeschrittenen Alters auf damit früher grundsätzlich verbundene Funktionen verzichtet hat. Führte danach ein im Dienstgrad tiefer einzustufender Kamerad die mit der Funktion verbundenen im öffentlichen Interesse stehenden Aufgaben weiter, war es bislang kaum möglich, dies entsprechend nach außen hin zu würdigen. Dem hilft die neue Laufbahnverordnung ab, indem sie die Hervorhebung einer ausgeübten Funktion nach außen hin – unabhängig vom Dienstgrad – gestattet. Folglich ist das Tätigkeitsfeld engagierter Kameraden nunmehr sowohl am durch Leistung erreichten Dienstgrad als auch anhand seiner aktuellen Funktionsbezeichnung (zum Beispiel Zugführer, Gruppenführer, Jugendfeuerwehrwart) auszumachen.

Durch die neue Laufbahnverordnung wurde der für die Freiwilligen Feuerwehren geltende „Stellenkegel“ in den oberen Bereichen angehoben. Bis Februar 2002 konnte ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr maximal den Dienstgrad eines Hauptbrandmeisters erreichen, soweit er am Institut der Feuerwehr (früher Landesfeuerwehrschule) in Münster erfolgreich den Zugführerlehrgang absolviert hatte. Nunmehr erreichen die Führungskräfte der Freiwilligen Feuerwehr die Dienstgrade von Brandinspektoren. Bei Absolvierung des Zugführerlehrganges am Institut der Feuerwehr wird ein Löschzugführer heute als Brandinspektor und sein Stellvertreter, bei gleichen Lehrgängen, ebenfalls als Brandinspektor geführt. Darüber hinaus kann eine Beförderung zum Brandoberinspektor und zum Stadtbrandinspektor erfolgen, wenn der Lehrgang „Führen von Verbänden“ und „Leiter der Feuerwehr“ am Institut der Feuerwehren NRW in Münster, erfolgreich abgeschlossen wurde. Zu Hauptbrandmeistern können erfahrene Oberbrandmeister auch ohne Absolvierung des Zugführerlehrganges befördert werden. Zudem hat sich der Verordnungsgeber zur Schaffung eines neuen Dienstgrades zwischen den Dienstgraden des Oberfeuerwehrmannes und des Unterbrandmeisters veranlasst gesehen. Seit Februar 2002 gibt es den Dienstgrad des ”Hauptfeuerwehrmannes”.

Ein Wunsch wird wahr – das neue Gerätehaus

Rund 20 Jahre bestanden bei der Stadt Castrop-Rauxel Planungen für den Neubau eines Gerätehauses für den Löschzug Merklinde. Die räumlichen Verhältnisse am alten Standort, im Hinterhof des Hauses Wittener Straße 372, waren katastrophal. Es gab keinen Schulungsraum für die aktive Wehr, die Jugendfeuerwehr und den Spielmannszug. Das Einparken der Einsatzfahrzeuge in dem engen Hinterhof war Millimeterarbeit und nicht alle Fahrzeuge des Löschzuges konnten dort untergebracht werden. Diese waren an der Feuerwache an der Frebergstraße untergestellt und mussten für die Übungsdienste oder im Einsatzfall erst von dort geholt werden. Die lange Planungszeit für den Gerätehausneubau war im wesentlichen durch den Mangel an geeigneten Grundstücken in Merklinde verursacht. Ein Grundstück wurde dann endlich im Jahre 1991 gefunden und am 30. November 1991 bekam der Löschzug grünes Licht für die Bauplatzvorbereitung. Auf dem Gartengrundstück mussten zahlreiche Bäume gefällt und eine Gartenlaube abgebrochen werden, was von den Mitgliedern des Löschzugs in Eigenleistung erledigt wurde. Am 19. Dezember 1991 erfolgte die Grundsteinlegung und nach sechs Monaten Bauzeit konnte man am 15. Mai 1992 das Richtfest feiern. Für den Löschzug folgte eine arbeitsreiche Zeit, da ein großer Teil der Innenarbeiten in Eigenleistung erbracht wurden. Für den Bau des Gerätehauses war eine Bausumme von 1,2 Millionen DM veranschlagt worden. Durch die umfangreichen Eigenleistungen des Löschzuges konnte der Kostenrahmen eingehalten werden. Am 29. Mai 1993 wurde das neue Gerätehaus an der Wittener Straße 274 offiziell unter großer Anteilnahme der Bevölkerung eingeweiht. Bei strahlendem Sonnenschein wurden die Löschfahrzeuge in einem Festumzug vom alten zum neuen Gerätehaus überführt. Eingerahmt wurden sie dabei von der Freiwilligen Feuerwehr Herforst (Eifel), dem Musikzug Herforst und dem Spielmannszug des Löschzuges Merklinde.

Zur Werkzeugleiste springen